Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Ende seiner China-Reise die rasanten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) als eine der zentralen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte bezeichnet. In einem Interview betonte er, dass die Anwendung der KI bereits stattfinde und es nicht mehr um die Frage des "Ob", sondern um das "Wie" des Umgangs damit gehe. Steinmeier zog hierbei einen Vergleich zu den Globalisierungsdebatten der 1990er-Jahre, bei denen es ebenfalls primär um die politische und gesellschaftliche Steuerung der Entwicklung ging.
Im internationalen Wettbewerb sieht der Bundespräsident die USA und China derzeit vor Europa, warnt jedoch davor, die Technologie abzulehnen. Wer an der Festlegung globaler Regeln mitwirken wolle, müsse die Technologie beherrschen, da ein Verzicht erhebliche wirtschaftliche Folgen hätte. Deutschland solle dabei auf seine Stärken in der industriellen Anwendung von KI, insbesondere bei Produktions- und Steuerungsprozessen, setzen und selbstbewusst bleiben.
Besorgnis äußert Steinmeier vor allem hinsichtlich der Auswirkungen auf die Demokratie, da KI-generierte Inhalte Desinformation und Manipulation in sozialen Netzwerken verstärken könnten. Er warnte davor, dass Bürger zu "Mündeln einer Maschine" werden dürften, und betonte die Notwendigkeit, Menschen zur Erkennung manipulierter Videos und Bilder zu befähigen. Während autoritäre Staaten KI zur gesellschaftlichen Kontrolle nutzen könnten, sei die Demokratie auf eine unabhängige Meinungsbildung angewiesen.
Hinsichtlich der globalen Regulierung plädiert Steinmeier für internationale Standards, idealerweise unter dem Dach der Vereinten Nationen. In Gesprächen mit Staatspräsident Xi Jinping habe sich gezeigt, dass auch China den Bedarf an Regeln und Kontrolle erkenne. Parallel dazu sieht der Bundespräsident vorsichtige Fortschritte im Handelskonflikt zwischen Europa und China, da Xi signalisiert habe, die europäischen Sorgen über Handelsungleichgewichte ernst zu nehmen.




